GEDANKE DES MONATS

 

 
 

Die Zeit

 

Die Zeit läuft. Sie ist immer in Bewegung. Zwar sagen wir manchmal, dass sie still steht. Doch nur wir stehen vielleicht still, während sie uns davonläuft. Zeit gibt es nur dort, wo sich etwas bewegt. Wir messen sie an dem was sich bewegt. Daher kommt die Zeit und geht die Zeit. Denn das, was seine Zeit hat, beginnt und endet in seiner Zeit, während die Zeit weiterläuft. Daher hat alles in der Zeit nur seine Zeit. Es dauert nur in seiner Zeit und hört zu seiner Zeit auch auf.

In der Zeit hat alles auch seine rechte Zeit. Was vor der rechten Zeit geschieht, geschieht zur falschen Zeit, und nach der rechten Zeit ist die Zeit versäumt. Sie ist vorbei und nicht mehr einzuholen.

Doch offensichtlich gibt es auch etwas vor der Zeit, jenseits von ihr, etwas das zeitlos dauert, etwas, das ihr widersteht. Wir ahnen es, ohne es zu fassen, werden von ihm in der Zeit getragen und sinken nach der Zeit in es zurück.

 

 

Wirklich Danken

 

Danken macht mich groß. Denn wenn ich danke, nehme ich von anderen etwas als ein Geschenk. Es bereichert mich, weil ich es nehme. Zugleich wird das, was ich dankend nehme, für mich unverlierbar. Der Dank erlaubt mir, es zu behalten und zu mehren. Er wirkt wie die Sonne und der warme Regen auf eine junge Pflanze. Sie gedeiht.

Danken verbindet. Durch das Danken gedeihen unsere Beziehungen. Denn dem, der dankt, wird gerne gegeben. Umgekehrt wird der, der dankend nimmt, innerlich weit und kann nicht anders, als selbst zu geben und das, was er als Geschenk mit Dank genommen hat, weiterschenken.

Das Danken macht daher nicht nur mich, es macht auch andere glücklich und reich.

Wer dankt, würdigt, was ihm geschenkt ist, und er würdigt damit auch die, die es ihm schenken. So werden durch das Danken sowohl ich als auch die Gabe und die Geber groß.

 

 

DER REICHTUM

 

Reichtum ist in erster Linie die Macht über das, was zum Leben und zum Überleben notwendig ist. Neben dem Reichtum steht die Armut. Ihr gelingt es nur spärlich oder überhaupt nicht, die Mittel und die Macht in die Hand zu bekommen, die das eigene Leben und Überleben sichern.

Der Kampf um den Reichtum in diesem Sinne ist die Grundlage des Lebens und Überlebens in der Natur. Das Tier oder die Pflanze, denen es gelingt, die Mittel zum Leben und Überleben auf Kosten anderer zu sichern, sind, verglichen mit ihnen, reich. Und jene , die von ihnen überflügelt und niedergehalten werden, sind arm. Reichtum und Armut in diesem Sinne sind also von Natur aus vorgegeben und jenseits von gut und böse.

Auf den Menschen übertragen heißt das, dass niemand, auch nicht der Arme, außerhalb dieses Kampfes um das Leben und Überleben stehen kann. Selbst der Bettler kämpft darum, gegenüber anderen etwas zu erlangen, was diesen entgeht, und wird so ihnen gegenüber reich.  Auf diesem Hintergrund erscheint das Lob der Armut, wie wir es im Christentum vorfinden, abgehoben und oft auch heuchlerisch, denn im gleichen Atemzuge erwarten die Armen, dass Gott sie später reich und die Reichen arm macht.

Dennoch, aus dem Bedürfnis nach Ausgleich heraus, das in unseren Beziehungen Geben und Nehmen ins Gleichgewicht zu bringen versucht, fühlen wir uns, wenn wir mehr als die anderen haben, ihnen gegenüber verpflichtet und in Schuld. Daher fällt es uns schwer, den Reichtum für uns zu behalten, ohne anderen daran Anteil zu geben. Vor allem auch, ohne den Reichtum zugleich zum Wohle vieler anderer zu verwenden.

Reichtum ist zugleich auch ein Geschenk, nicht nur der eigenen Mühen und des eigenen Fleißes, sondern auch der glücklichen Umstände und letztlich einer Macht, die wir als uns wohlgesonnen erfahren. Solchen Reichtum anzunehmen und sich seiner Möglichkeiten zu erfreuen, fällt schwer. Letztlich können wir das nur mit Demut.

Macht uns diese Demut größer oder kleiner? Sie macht uns größer. Sie macht uns auch in besonderer Weise menschlich.

Die Achtung

 

Achten heißt in erster Linie: anerkennen. Jemanden achten heißt, ich anerkenne, dass er da ist, dass er so ist, wie er ist, und dass er, wie er ist, auch richtig ist. Das schließt ein, dass ich mich selbst auf diese Weise achte. Dass ich achte, dass ich da bin, dass ich so bin, und dass ich so, wie ich bin, auch richtig bin.

 

Wenn ich mich und den anderen so achte, verzichte ich darauf, mir ein Bild zu machen, wie ich und der andere sein sollten. Ohne dieses Bild gibt es kein Urteil darüber mehr, was besser wäre. Kein gemachtes Bild tritt mehr zwischen mich und die Wirklichkeit, wie sie sich zeigt.

 

Dadurch ist ein Zweites möglich, das auch zur Achtung gehört: Ich liebe das Wirkliche, wie es sich zeigt. Das heißt vor allem: Ich liebe mich, wie ich bin; ich liebe den anderen, wie er ist; und ich liebe, wie wir unterschiedlich sind.

 

Danach ist noch ein Drittes möglich, vielleicht das Schönste, das auch zur Achtung gehört: Ich freue mich über das Wirkliche, wie es sich zeigt. Ich freue mich über mich, wie ich bin; ich freue mich über den anderen, wie er ist, und ich freue mich über die Unterschiede, dass ich anders bin als er und er anders ist als ich.

 

Diese Achtung hält Abstand. Sie dringt nicht in den anderen ein, und sie erlaubt auch dem anderen nicht, in mich einzudringen, mir etwas aufzuerlegen oder über mich nach seinem Bild zu verfügen. Daher können wir uns achten, ohne etwas voneinander zu wollen.

 

Wenn wir einander brauchen und etwas voneinander wollen, müssen wir noch auf ein Viertes achten: Fördern wir uns gegenseitig oder hemmen wir in uns und im anderen die eigene Entfaltung? Wenn wir anerkennen müssen, dass wir so, wie wir sind, die Entfaltung bei uns und beim anderen behindern, dann führt uns die Achtung nicht zusammen, sondern auseinander. Dann achten wir, dass jeder seinen eigenen Weg gehen darf und gehen muss. Die Liebe und die Freude über mich und den anderen wird dadurch eher vertieft als gemindert. Wieso? Die Liebe und die Freude sind hier, so wie die Achtung – gelassen.

Das Schicksal


Das Schicksal ist einerseits persönlich. Jeder hat sein persönliches Schicksal zu meistern, wird in seinen Möglichkeiten von diesem Schicksal bestimmt. Das Schicksal meistern heißt jedoch nicht, dass wir darüber verfügen können, als wären wir es, die es bestimmen, und nicht umgekehrt, dass es uns bestimmt. Das Schicksal meistern heißt, dass wir uns ihm stellen, wie es ist, ihm zustimmen, wie es ist. Dann schenkt uns das Schicksal eine besondere Kraft, gerade weil wir mit ihm in Einklang kommen. Es verbindet uns mit etwas Größerem, innerhalb dessen uns eine besondere Aufgabe zukommt, anders als wir sie uns vielleicht am Anfang wünschen, in der wir aber am Ende user Glück und unsere Erfüllung finden.

Unsere Möglichkeiten und unsere Grenzen sind uns auch durch unsere Familie vorgegeben. Durch ihre Geschichte, ihre Erfolge und Niederlagen, ihr Glück und ihr Unglück. Und sie sind uns vorgegeben drch die größeren Gruppen, denen wir angehören: durch unser Volk, unsere Religion, unsere Rasse, unser Geschlecht.

Aus allen diesen Umständen erwächst uns unser Schicksal. Doch so, dass uns noch etwas besonderes Eigenes zukommt, etwas wie persönliche Berufung.

Es ist auch so, dass die Schicksale anderer aus unserer Familie zu unserem Schicksal werden, vor allem das Schicksal jener, die wir oder andere aus der Familie ablehnen, derer wir uns vielleicht schämen oder deren Schicksal uns Angst macht. Ohne dass wir uns dessen bewusst werden, wird ihr Schicksal in uns wiederbelebt.

Statt dass wir unserem persönlichen Schicksal volgen können, nimmt dieses andere Schicksal von uns Besitz.

Wenn jedoch diese anderen Familienmitglieder und auch andere bedeutsame Menschen, die das Schicksal unserer Familie in oft furchtbarer Weise mitbestimmt haben, wie zum Beispiel Hitler in Europa oder Mao Tse-tung in China, nicht mehr aus unserer Gemeinschaft verbannt, sondern als Menschen wie wir mit ihrem Schicksal in diese Gemeinschaft aufgenommen werden, werden wir von ihrem Schicksal frei.

Der Geist

 

„Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach.“

Das klingt, so als sei der Geist das Größere und Stärkere. Doch der Geist wird schwach, weil das Fleisch schwach wird. Daher erweist sich das Fleisch als das Stärkere.

Das Fleisch ist schwach, weil es schwach sein muss, weil die Natur und die Umstände es verlangen. Durch das Fleisch sind wir mit dem Wesentlichen, dem das Leben Erhaltende und es Fördernde verbunden. Wenn daher das Fleisch schwach wird, fügt es sich willig einer größeren Kraft. Der so genannte willige Geist dagegen wendet sich oft gegen das Wesentliche und mindert oder zerstört Leben eher, als dass er ihm dient. Dem Leben dienen kann er nur, wenn er im Einklang ist mit dem Fleisch, wenn er sich von ihm belehren und von ihm führen lässt. Es erweist sich dann, dass der Geist im Dienst des Fleisches steht, dass er sich ihm unterwerfen und ihm dienen muss statt umgekehrt.

Doch genau genommen ist es nicht das Fleisch, das uns bestimmt und führt. Es ist die Seele, eine große Seele, die unseren Leib, abschätzig oft das Fleisch genannt, belebt, ihn in Austausch bringt mit dem, was er braucht, insbesondere auch mit anderen Menschen. Aus der Seele und von ihr bestimmt wirkt auch der Geist, und zwar über die Seele.

Zu den Gedanken der Vormonate

Die belebende Kraft von Leib und Geist ist daher die Seele. Sie ist sowohl willig als auch stark

Die Bindung

Eingebunden und verbunden zu sein, ist unsere tiefste Sehnsucht. Alles, was wir tun und leisten und was wir wünschen und wollen, will vor allem eines erreichen und bewirken: angenommen und anerkannt zu sein in einer Gemeinschaft, der wir angehören wollen. Stolz ist das Grundgefühl, wenn wir für die, denen wir zugehören wollen, etwas geleistet haben, das unseren Platz in ihrer Gemeinschaft sichert.

Alles, was Liebende füreinander tun, vertieft ihre Bindung und sichert sie vor dem Zerfall. Alles, was wir in anderen Bindungen tun, zum Beispiel im Beruf und einer Arbeitsgemeinschaft, nährt unseren Anspruch, auch in Zukunft dazugehören zu dürfen. Ist die Aussicht, auch weiterhin einer Gruppe angehören zu dürfen, gering, schwindet unser Einsatz für diese Gruppe und unserer Bindung an sie.

Unser Bedürfnis nach Bindung schwächt uns aber auch, wenn wir um jeden Preis dabei sein wollen, und fesselt uns, auch wenn diese Bindung von uns schon als aussichtslos erkannt ist. Wem nur wenige Bindungen möglich sind, sodass er nicht mehr wählen kann, wenn eine Bindung sich aufzulösen droht, den hindert diese Bindung, sich Neuem und vielleicht Größerem zuzuwenden und daran zu wachsen.

Wie nun verbinden wir unsere tiefe Sehnsucht nach Bindung mit der gleichermaßen tiefen Sehnsucht nach Wachstum? Wie können wir in Anlehnung an eine Bild von Rilke unser Leben leben in wachsenden Ringen? Indem frühere Bindungen eingebunden werden in immer umfassendere Bindungen. So löst sich das Kind von seiner Herkunftsfamilie, verbindet sich mit einem Partner zu neuer Liebesgemeinschaft mit eigenen Kindern. Oder jemand steigt in seinem Beruf auf zu immer größerer Verantwortung und wird dadurch mit immer mehr Menschen und Gruppen verbunden.

Allerdings, je größer der Kreis, desto geringer die Nähe zu einzelnen Menschen und Gruppen. Daher wird der, der sich in das je Größere einfügt und bindet, zugleich auch zunehmend einsam. Aber nicht, weil er zu wenig gebunden ist, sondern weil er sich vielem verbunden weiß und innerlich in ihm ruht.

Diese umfassendere Bindung löst ihn allerdings nicht von den näheren Bindungen. Doch sie können ihn nicht länger fesseln. Er nimmt sie hinein in die wachsende Bewegung. So werden auch sie mit ihm in den weiteren Bindungen sowohl erfüllter als auch frei.

Die Hingabe

 

Hingabe ist Liebe. Wir sehen diese Hingabe, wenn Eltern ihre Kinder mit Hingabe nähren und pflegen und über sie wachen. Wir sehen sie, wenn Ärzte und Pfleger sich mit Hingabe um Kranke kümmern und wenn andere im Dienst der Allgemeinheit mit Hingabe ihre Arbeit tun. Hingabe hat hier mit Helfen zu tun, hingebungsvollem Helfen. Sie ist für alle wohltuend und verbindet auf innige Weise.

Diese Bereitschaft zur Hingabe wird manchmal missbraucht und ausgenutzt, vor allem gegenüber Abhängigen, zum Beispiel wenn diese Angst haben, ihre Zugehörigkeit zu verlieren. Dann sind sie vielleicht bereit, sich auf etwas einzulassen, was sie gefährdet oder schuldig werden lässt. Jemand kann hier in der Regel nur dann wiederstehen, wenn er anderswo Sicherheit hat.

Hingabe gibt es aber auch in einem ganz anderen Sinn über das Mitmenschliche hinaus. Sie ist Vertrauen in eine innere Führung. Das heißt: Oft handelt sie nicht, sondern wartet, geht nur so weit, wie die innere Führung es gestattet, dann aber manchmal auch weit über das hinaus, was geboten oder möglich erscheint, weil sie völlig hingegeben dieser Führung gehorcht.

Diese Hingabe geht über die helfende Hingabe hinaus. Sie ist genauer und verausgabt sich weniger. Denn sie ist gleichzeitig. gelassen.

FREUT EUCH DES LEBENS

 Was ist dem Leben mehr gemäß, als sich darüber zu

freuen? Wer sich darüber freut, der nimmt es, wie es ist.

Er freut sich über den Ursprung des Lebens, von woher

es ihm geschenkt ist. Also zunächst über seine Eltern

und Ahnen und, darüber hinaus, über das größere

Ganze, von dem das Leben abhängt und das es trägt.

Und er freut sich über alles, was zum Leben gehört, was

es fördert und erhält und was es über- und weiterfließen lässt

zu den anderen neben und nach ihm.

Er will dem Leben wohl.

Wer sich über das Leben freut, freut sich auch über

das Leben der anderen. Er will auch ihrem Leben wohl,

will, dass es wächst, sich weitet, sich erfüllt. Er dient mit

seinem Leben ihrem Leben und nimmt von ihnen

unbedenklich, was sie von ihrem Leben seinem geben.

Sein Leben wird durch ihres reicher, so wie das ihre

auch durch seines. Doch das Leben wächst auch am Widerstand. Ohne

Widerstand kein Wachstum. Er gehört zu den Bedingungen des Lebens.

Statt ihm auszuweichen, überwindet man ihn durch Wachsen und

freut sich nachher, durch ihn gestärkt, umso mehr.

Allerdings geht unser Leben auch zu Ende, oder genauer,

es macht für anderes Leben Platz. Wenn wir dem neuen Leben wohl wollen, machen wir ihm gerne Platz, ziehen uns zur rechten Zeit

zurück, freuen uns über das Neue, segnen es und sind mit dem

Ende unseres Lebens versöhnt.

Die Güte

Güte kommt von gut. Wer gütig ist, der will dem anderen Gutes, ohne etwas von ihm zu fordern oder zu erwarten. Die Güte hält Abstand. Sie scheint von Ferne. Sie tritt dem anderen nicht nahe. Sie ist nachsichtig, jenseits der Moral und in diesem Sinne a-moralisch. Sie will nichts verändern. Sie bejaht den anderen, wie er ist, doch ohne es zu sagen. Sie ist nur da.

In der Nähe gütiger Menschen fühlen wir uns wohl. Ihre Güte macht auch uns milder, menschlicher, einfach durch ihre Gegenwart. Die Güte ist wie mildes Licht am Abend, das die scharfen Konturen verschwimmen lässt. Kein Wunder, dass wir diese Güte vor allem bei älteren Menschen finden, die ihre früheren Erwartungen und Träume schon lange hinter sich gelassen haben und die warten konnten, bis vieles, das sich zuerst als bedrohlich erwies, von selbst vorüberging, und die dankbar sind, das auch das wirklich Bedrohliche an ihnen vorüberging.

Güte ist daher vor allem Gelassenheit, Einklang mit der Vergangenheit und Zukunft. Sie ist die Schwester der Weisheit.

Die Achtung

Achten heißt in erster Linie: anerkennen. Jemanden achten heißt, ich anerkenne, dass er da ist, dass er so ist, wie er ist, und dass er, wie er ist, auch richtig ist. Das schließt ein, dass ich mich selbst auf diese Weise achte. Dass ich achte, dass ich da bin, dass ich so bin, und dass ich so, wie ich bin, auch richtig bin.

Wenn ich mich und den anderen so achte, verzichte ich darauf, mir ein Bild zu machen, wie ich und der andere sein sollten. Ohne dieses Bild gibt es kein Urteil darüber mehr, was besser wäre. Kein gemachtes Bild tritt mehr zwischen mich und die Wirklichkeit, wie sie sich zeigt.

Dadurch ist ein Zweites möglich, das auch zur Achtung gehört: Ich liebe das Wirkliche, wie es sich zeigt. Das heißt vor allem: Ich liebe mich, wie ich bin; ich liebe den anderen, wie e ist; und ich liebe, wie wir unterschiedlich sind.

Danach ist noch ein Drittes möglich, vielleicht das Schönste, das auch zur Achtung gehört: Ich freue mich über das Wirkliche, wie es sich zeigt. Ich freue mich über mich, wie ich bin; ich freue mich über den anderen, wie er ist, und ich freue mich über die Unterschiede, dass ich anders bin als er und er anders ist als ich.

Diese Achtung hält Abstand. Sie dringt nicht in den anderen ein, und sie erlaubt auch dem anderen nicht, in mich einzudringen, mir etwas aufzuerlegen oder über mich nach seinem Bild zu verfügen. Daher können wir uns achten, ohne etwas voneinander zu wollen.

Wenn wir einander brauchen und etwas voneinander wollen, müssen wir noch auf ein Viertes achten: Fördern wir uns gegenseitig oder hemmen wir in uns und im anderen die eigene Entfaltung? Wenn wir anerkennen müssen, dass wir so, wie wir sind, die Entfaltung bei uns und beim andern behindern, dann führt uns die Achtung nicht zusammen sondern auseinander. Dann achten wir, dass jeder seinen eigenen Weg gehen darf und gehen muss. Die Liebe und die Freude über mich und den anderen wird dadurch eher vertieft als gemindert. Wieso? Die Liebe und die Freude sind hier, so wie die Achtung – gelassen.

Die Gelassenheit

Gelassen ist, wer etwas lassen kann. Zum Beispiel eine Sorge, den Aufruhr des Herzens nach einer Kränkung, einer Demütigung, einer Verleumdung. Gelassen ist auch, wer alte Träume, alte Ansprüche, alte Vorwürfe zurücklassen und damit seine Herz von ihnen frei machen kann, sodass es ruhig, gefasst und für das jetzt Mögliche und Geschenkte bereit ist.

Gelassen ist daher auch, wer verzeiht im Sinne von etwas vorbei sein lassen, ohne etwas nachzutragen.

Diese Gelassenheit ist Kraft ohne Emotionen, gesammelte Bereitschaft f ür das Kommende und für das Jetzt.

Gerne

Wir tun gerne, was wir für jemanden tun, den wir lieben und sagen dann: „Für dich tue ich es gerne.“ Wir tun es auch gerne für jemanden, dem wir dankbar sind. Die Liebe und die Dankbarkeit beflügeln uns, sodass wir, was wir gerne tun, auch schnell und gründlich tun.

Wir tun auch gerne, was uns selbst Spaß macht, etwas, das uns glücklich macht, uns selbst gut tut. Zum Beispiel gehen wir gerne an die frische Luft, gehen gerne schwimmen, gehen gerne zu einem Fest.

Wir tun auch die Arbeit gerne, wenn sie uns entspricht, wenn wir sie als sinnvoll erleben und wenn sie uns und anderen etwas bringt. Besonders gerne tun wir, was uns auch reizt, was unseren Fähigkeiten entspricht und sie sogar steigert.

Und wir leben gerne, wenn es uns täglich etwas Neues bringt, wenn es weitergeht, wenn wir es als erfüllt erleben.

Wir nehmen auch gerne Abschied von dem, was vorbei ist, was uns nichts mehr bringt, was uns eingeengt und bedrückt hat.

Gern heißt auch freudig, mit dem Herzen dabei. Vor allem aber haben wir auch jemanden gerne.

 

Wege der Liebe

Die Liebe ist in Bewegung. Sie geht von mir zu dir, und von dir zu mir. Aber nicht so sehr die Liebe geht von mir zu dir, und von dir zu mir. Ich gehe zu dir, und du gehst zu mir. Meine Liebe geht zu dir: das bin ich, und deine Liebe geht zu mir: das bist du.

Liebe heißt daher nicht so sehr: Ich gebe dir, und du gibst mir. Liebe heißt: Ich gebe mich, und du gibst dich.

Das ist nur der eine Weg der Liebe, die Liebe, die gibt. Der andere Weg und die andere Richtung der Liebe ist: Du nimmst meine Liebe, und ich nehme deine Liebe. Doch auch hier heißt Liebe noch mehr: Du nimmst mich, und ich nehme dich.

Wie nehme ich den anderen, und wie nimmt er mich? Ich nehme dich, so wie du bist, und du nimmst mich, so wie ich bin. Die Wege der Liebe sind also ohne Vorbehalt und ohne Rückhalt, ohne dass wir etwas zurückhalten von dem, was ist und wie es ist.

Wen lieben wir auf diese Weise zuerst, und wer liebt uns auf diese Weise zuerst? Unsere Mutter, und dann auch unser Vater. So haben wir sie als Kinder geliebt genau so wie sie waren, und so haben sie auch uns als Kinder geliebt, genau so wie wir waren.

Haben wir diese Liebe durchgehalten? Haben sie diese Liebe durchgehalten? Haben wir und sie diese Liebe durchgehalten durch alle Prüfungen der Liebe?

Doch den Weg, den wir schon einmal gegangen sind, finden wir wieder. Auch unsere Eltern finden ihn wieder, wenn wir ihn zuerst wieder gehen, was immer in späterer Zeit auch zwischen unsere Liebe gekommen sein mag.

Wie finden wir diesen Weg wieder? Wenn wir an den Anfang zurückgehen. Können wir das? Ja. Denn diese Liebe ist in der Tiefe der Seele noch in Bewegung. Sonst könnten wir uns auch nicht mehr so sehr nach ihr sehnen. Die Sehnsucht weist uns die Richtung zurück zu diesem Weg. Wer diesen Weg gegangen ist, kann ihn auch weitergehen in der Liebe zu anderen Menschen. Vor allem natürlich in der Liebe zu einem Partner.

Wie gehen wir diesen Weg der Liebe zwischen Mann und Frau? Und wie geht er? Genau so, wie von uns zu unseren Eltern, und von unsern Eltern zu uns. Liebe zum Partner heißt: Ich gebe mich und nehme dich - und du nimmst mich und gibst mir dich. Wie? Genau so wie du bist.

Danach fängt der Kreislauf der Liebe wieder von vorn an. Der Mann und die Frau bekommen Kinder. Diese Kinder lieben ihre Eltern mit der gleichen Liebe wie einst auch ihre Eltern als Kinder ihre Eltern, und diese Eltern lieben ihre Kinder mit der gleichen Liebe wie einst ihre Eltern sie, als sie noch Kinder waren.

Die Wege der Liebe bleiben immer die gleichen. Nur die Menschen, die sie gehen, sind immer wieder andere, von Generation zu Generation. Obwohl sie für alle Menschen die gleichen Wege der Liebe sind, für die, die sie gehen, sind sie ewig neu und wunderbar.

Das Herz

Das Herz schlägt. Je nachdem wir uns fühlen, schlägt es höher oder schneller. Oder es stockt vielleicht und steht sogar still. Im Herzen erfahren wir unser Leben, seine Höhen und Tiefen, seine Spannung und seine Ruhe. Vor allem erfahren wir über das Herz unsere Liebe. Manchmal sagen wir einem geliebten Menschen: Mein liebes Herz. Er ist uns nahe, wie das eigene Herz, ja unser Herz schlägt mit ihm, und wenn es schlägt, schlägt es mit dem anderen Herzen zusammen. Dann wird der andere unser Herzliebster. Inniger als so können wir nicht lieben. Doch manchmal bricht uns das Herz, weil unser Herz nicht mehr mit dem Herzen des anderen zusammen schlagen kann, wenn unser Herz alleine schlagen muss und aus dem Rhythmus kommt, weil das andere Herz nicht mehr mit ihm schlägt. Wie findet dann unser Herz seinen Rhythmus zurück und die Herzensruhe? Wenn es im Einklang mit einem größeren Herzen schlägt, dem Leben in seiner Fülle, in der etwas Gemeinsames uns mit allem verbindet, in der Abschied neuer Anfang wird und das Herz ruhig auch seinem Ende entgegenschlägt und, zu seiner Zeit, auch stehen bleiben darf.

Das Gleiche

Der Hauch weht und flüstert, der Sturm fegt und braust. doch es ist der gleiche Wind, das gleiche Lied. Das gleiche Wasser tränkt uns und ertränkt, trägt und begräbt. Was lebt, verbraucht, erhält sich und vernichtet, beim einen wie beim anderen getrieben von der gleichen Kraft. Sie zählt. Wem dienen dann die Unterschiede?

Gerne

Wir tun gerne, was wir für jemanden tun, den wir lieben und sagen dann: „Für dich tue ich es gerne.“ Wir tun es auch gerne für jemanden, dem wir dankbar sind. Die Liebe und die Dankbarkeit beflügeln uns, sodass wir, was wir gerne tun, auch schnell und gründlich tun.

Wir tun auch gerne, was uns selbst Spaß macht, etwas, das uns glücklich macht, uns selbst gut tut. Zum Beispiel gehen wir gerne an die frische Luft, gehen gerne schwimmen, gehen gerne zu einem Fest.

Wir tun auch die Arbeit gerne, wenn sie uns entspricht, wenn wir sie als sinnvoll erleben und wenn sie uns und anderen etwas bringt. Besonders gerne tun wir, was uns auch reizt, was unseren Fähigkeiten entspricht und sie sogar steigert.

Und wir leben gerne, wenn es uns täglich etwas Neues bringt, wenn es weitergeht, wenn wir es als erfüllt erleben.

Wir nehmen auch gerne Abschied von dem, was vorbei ist, was uns nichts mehr bringt, was uns eingeengt und bedrückt hat.

Gern heißt auch freudig, mit dem Herzen dabei. Vor allem aber haben wir auch jemanden gerne.

Gott

Wie kommen wir dazu, von Gott zu sprechen?

Was geht in den Seelen derer vor sich, die ihn suchen, die auf ihn hören, die sich vor ihm fürchten und die ihn lieben, auf ihn bauen, zu ihm flehen und ihn im Munde führen? Die ihn zu haben meinen, so wie man einen Vater oder eine Mutter hat?

Zweierlei ist hier zu bedenken. Zum einen die Erfahrung, dass wir begrenzt sind und das wir Kräften ausgeliefert sind, die über uns verfügen, sowohl helfend als auch bedrohend und fordernd. Und dass uns der Sinn unseres Daseins und sein Woher und sein Wohin verborgen bleiben. Gegenüber diesen Kräften und diesem Geheimnis haben wir ein Gefühl sowohl der Anziehung wie auch der Furcht. Wenn wir davor stille stehen, haben wir ein Gefühl des Staunens und der Andacht, von Hinbewegung und Innehalten zugleich. Dieses Gefühl und diese innehaltende Bewegung nennen wir, wenn wir sie erfahren, religös. Diese religiöse Erfahrung ist, wenn sie rein ist, ohne Bild und bei allen Menschen gleich.

Doch sie ist schwer auszuhalten. Sie verlangt von uns die reine Sammlung, leer und ohne Bild. Sie ist daher zugleich der vollkommene Verzicht auf Wissen und auf Einfluss.

Wer diese Sammlung nicht mehr aushält, macht sich ein Bild und greift dabei auf die Erfahrungen zurück, die ihm am nächsten sind. Es sind die Erfahrungen als Kind in seiner Familie, die Erfahrungen als Mitglied einer Gemeinschaft und die Erfahrungen mit seinem Gewissen.

Zunächst wird die Leere ausgefüllt mit einer Person, die denen ähnelt, die bekannt sind, nur etwas überhöht und übertrieben. Es sind dies: die Mutter, der Vater, die Ahnen, der Herrscher.

Dann wird das ursprüngliche religiöse Gefühl ersetzt durch die Gefühle, die uns durch unser Gewissen vorgegeben sind. Es sind dies: die Angst, die Zugehörigkeit zu verlieren; das Bedürfnis, alles zu tun, um die Zugehörigkeit zu bewahren oder wiederzugewinnen; die Abgrenzung gegenüber anderen Gruppen, verbunden mit dem Gefühl der eigenen Auserwählung und der Verworfenheit der anderen Gruppen.

Im Einzelnen mögen die Gottesbilder in den Religionen verschieden sein, ebenso die religiösen Rituale. Doch im Grunde gehen sie auf die gleichen menschlichen Bedürfnisse zurück.

Dürfen wir, wenn wir das erkennen, noch von Gott sprechen? Das Schweigen redet hier lauter.

Das Vorurteil

Vorurteil heißt, das wir etwas, das wir nicht kennen, mit etwas, das wir kennen, verbinden oder, schlimmer noch, das wir es mit etwas verbinden, das wir genauso wenig kennen.

Vorurteile sind sowohl positiv wie negativ. Aus beiden wacht man auf, wenn man das bisher Unbekannte näher kennen lernt. Zum Beispiel wenn man nach der Verliebtheit, die ja auch ein Vorurteil ist, den anderen so sieht und sehen muss, wie er wirklich und anders ist. Das bereitet dann den Weg für die Wertschätzung, die sich für das andere öffnet und uns aus der bisherigen Enge ins Offene und Weite treten lässt.

Vorurteil hat ja immer mit Enge zu tun und mit Urteilen nach vertrauten und daher begrenzten Vorstellungen und Bildern. Wie übrigens auch jedes Werturteil, sei es nun positiv oder negativ, da es ja auch das eine vom anderen trennt und sich dem, was ihm entgegensteht, verschließt. Durch das Werturteil differenzieren wir und erschließen uns dadurch die Vielfalt. Allerdings nur kognitiv, nicht mit der Seele. Die Seele verbindet auch das Sich-Entgegegenstehende und zeigt gerade dadurch ihre Weite und ihre Kraft.

Am meisten engt uns natürlich das negative Vorurteil oder Werturteil ein, vor allem dadurch, weil es in der Regel von einem Gefühl der Überlegenheit begleitet wird, oft auch von einem Gefühl der Entrüstung und damit verbunden, auch mit Rachegedanken und -wünschen.

Viele Vorurteile und Werturteile hängen damit zusammen, dass wir die anderen unter dem Blickwinkel unseres Gewissens betrachten, das ja die anderen, einteilt in solche, die dazugehören dürfen und solche, die ausgeschlossen werden müssen. Diese Vorurteile hängen auch damit zusammen, dass wir meinen, die anderen, die anders sind, seien frei und müssten nur guten Willen zeigen, um anders zu sein und so wie wir. Aber weder wir noch sie sind mit unseren wert- und vorurteilen frei. Sie und wir sind in vielfältiger Weise in die Schicksale unserer Ahnen und unserer Gruppe verstrickt.

Wenn wir das durchschauen, werden wir vorsichtig und milde, sowohl mit Hinsicht auf die anderen als auch im Hinblick auf uns und unsere Urteile. Vielleicht gelingt es uns dann langsam, sie zu vergessen.

Das Hemmnis

Durch ein Hemmnis wird eine Bewegung aufgehalten. Ein Hemmnis zeigt sich, wenn wir zu schnell ein Ziel erreichen wollen, oder weil dieses Ziel uns nicht entspricht, oder weil uns die Kräfte fehlen oder ausgegangen sind. Dann zwingt das Hemmnis uns zum Innehalten  und gibt uns die Möglichkeit und Zeit:

1.  das Ziel zu überprüfen,
2.  neue Kräfte zu sammeln,
3.  vielleicht Verbündete zu finden,
4.  auf den günstigen Augenblick zu warten
5.  im Einklang mit anderen vorzugehen

Manchmal genügt es auch, nur zu warten, bis sich das Hemmnis von selbst erledigt, denn durch das Warten auf die rechte Zeit wird das Hemmnis schwächer und verliert seine Kraft. Die Zeit arbeitet gegen das Hemmnis und für die rechte Bewegung.

Wenn wir das Hemmnis anerkennen, uns ihm sogar fügen, verbündet es sich manchmal mit uns und wird zum Wächter des Erfolgs. In der Aussicht darauf dürfen wir es manchmal sogar schon zu Beginn begrüßen.Wir tun auch gerne, was uns selbst Spaß macht, etwas, das uns glücklich macht, uns selbst gut tut. Zum Beispiel gehen wir gerne an die frische Luft, gehen gerne schwimmen, gehen gerne zu einem Fest.

Wir tun auch die Arbeit gerne, wenn sie uns entspricht, wenn wir sie als sinnvoll erleben und wenn sie uns und anderen etwas bringt. Besonders gerne tun wir, was uns auch reizt, was unseren Fähigkeiten entspricht und sie sogar steigert.

Und wir leben gerne, wenn es uns täglich etwas Neues bringt, wenn es weitergeht, wenn wir es als erfüllt erleben.

Wir nehmen auch gerne Abschied von dem, was vorbei ist, was uns nichts mehr bringt, was uns eingeengt und bedrückt hat.

Gern heißt auch freudig, mit dem Herzen dabei. Vor allem aber haben wir auch jemanden gerne.

Das Unvollkommene

Das Unvollkommene ist menschlich. Es bleibt in der Zeit und es hat noch Zeit. Aus ihm wird noch etwas, es kann sich noch entwickeln. Nur das Unvollkommene hat Zukunft. Ihm gehört die Zukunft. Das Vollkommene hat keine Zukunft mehr. Es ist erstarrt.

Das Unvollkommene hat Kraft. Es will noch etwas. In ihm ist Spannung. Und es zieht anderes an. Es braucht noch etwas, ist auf Nehmen angewiesen und daher die Voraussetzung für Austausch und Beziehung.

Für das Vollkommene sind die Beziehungen vorbei. Nur solange wir noch unvollkommen sind, sind wir vollkommen menschlich und haben Zukunft.

Die große Liebe

Sehr viel Liebe ist Bindung. Sie ist instinktiv und sehr oft blind. Mit dieser blinden Liebe tun Kinder etwas aus Liebe, das ein Unglück weiterträgt, statt dass es das Unglück beendet. So sind die Kinder.

Wenn wir erwachsen werden und uns der Vielfalt der Wirklichkeit aussetzen, beschränken wir uns, wenn wir in der kindlichen Liebe gefangen bleiben, auf einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit, also den Ausschnitt der Wirklichkeit, der ungefähr dem entspricht, was in unserer Familie an Einsicht und Liebe möglich war. Das ist eine kleine Liebe.

Diese kleine Liebe führt dazu, dass wir das eine nehmen und das andere ausschließen, zum Beispiel ein anderes Volk, eine andere Kultur, eine andere Religion. Wir bleiben eng.

Wenn die Liebe wächst, weitet sie sich und nimmt immer mehr in die eigene Seele von dem hinein, was vorher abgelehnt oder gefürchtet worden war. So wächst man über die kleine Liebe hinaus und kann am Ende vieles Verschiedenes und Gegensätzliches in der Seele verbinden: auch das Böse, auch die Schuld, Leben und Tod, Gesundheit und Krankheit, Opfer und Täter – das Ganze.

Darüber hinaus leben wir dann sozusagen nicht nur hier, also nicht nur in der Gegenwart, sondern sind auch mit allem verbunden, was vor uns war. Also, nicht nur mit den Lebenden, auch mit den Toten. Das Reich der Toten ist, verglichen mit dem Reich der Lebenden, sehr viel größer und es wirkt unablässig in das Reich der Lebenden herein. Denn wir ruhen auf unseren Ahnen. In uns wirken sie weiter. Auch steht alles, was in der Natur vergeht, wieder in etwas anderem und Neuem auf.

Wenn wir uns diesem Kreislauf öffnen, so dass alles Vergangene in uns, sozusagen, wieder lebendig wird und wir zustimmen, dass auch wir vergehen und dennoch im Vergehen weiterwirken, sind wir in unserer Liebe mit allem vor uns und nach uns und natürlich mit allem hier in unserer Gegenwart eins.